Praeview Nr. 4/ 2011. Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser? Eine Perspektive aus der Praxis

Praeview - Zeitschrift für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention Nr. 4/2011                                            www. zeitschrift-praeview.de

 

Sechs Unternehmen werden im Rahmen BMBF- Projekts GI:VE begleitet und bei der Ausbildung ihres Innovationspotentials unterstützt. Oliver Rüsche, Geschäftsführer von Rüsche  Catering OHG berichtet von seinen Erfahrungen im GI:VE Projekt:

 

 

Praeview: Was hat Sie am Anfang motiviert am GI:VE Projekt teilzunehmen? 

Oliver Rüsche: In den letzten Jahren ist unser Familienunternehmen in denGeschäftsfeldern Gemeinschaftsverpflegung und Catering an beiden Standorten sehr stark gewachsen. Um den steigenden Anforderungen unserer Kunden im Eventbereich weiterhin gerecht zu werden, haben wir mit unseren langjährigen Partnern Wirkstoffgruppe und Bassta Eventtechnologies ein Netzwerk gegründet. Gemeinsam mit dem Netzwerk können wir unseren Kunden aus einer Hand auch komplexe Großveranstaltungen von der Konzeption bis zur Durchführung anbieten.

Zusätzlich kamen auf unsere Kunden, Geschäftspartner und Mitarbeiter mit dem Generationswechsel in der Geschäftsleitung weitere Veränderungen zu.

Die Zusammenarbeit mit GI:VE sollte diese Veränderungen und den damit einhergehenden Wandel begleiten und die Integration der Veränderungen ohne den Verlust der bisherigen Identität erleichtern. Die Identifikation mit unserem Unternehmen ist sowohl bei den Kunden als auch bei unseren Mitarbeitern sehr hoch, sodaß der Einbettung der Veränderungen in die bisherige Firmenphilosophie eine besondere Bedeutung zukommt.

Praeview: In Rahmen des Projekts wurden Analysen zu Ihrem Unternehmen durchgeführt: Gab es etwas, was Sie so noch nicht gesehen haben, was Sie überrascht hat? Was war das?

Oliver Rüsche: Man hat als Unternehmer ein Bauchgefühl für die meisten Strömungen und Stimmungen im eigenen Betrieb. Wir fanden es sehr spannend, ob und wie sich dieses Gefühl in der Datenrückspiegelung wiederfindet. Wir sind z.B. davon ausgegangen, daß die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen hoch ist, waren jedoch freudig überrascht, daß der Wert durchgängig so extrem hoch ausgefallen ist. Auch der Vergleich mit den anderen Unternehmen in den verschiedenen Bereichen hat uns positiv beeindruckt.

Praeview: Welche Maßnahme haben Sie, initiiert und begleitet vom Projekt GI:VE, in Ihrem Unternehmen durchgeführt, die Sie als erfolgreich und als Verbesserung sehen?

Oliver Rüsche: Wir haben die wichtigsten Qualitätsmerkmale unseres Unternehmens intern analysiert und dokumentiert. In einem weiteren Schritt sollen die einzelnen Prozesse untersucht und weiter vereinfacht werden, sodaß sich daraus Standardmodule ableiten lassen. Diese Module sollen allen Beteiligte zugänglich gemacht werden und in den Alltagssituationen mit hoher Stressbelastung als qualitativer Leitfaden dienen, um wieder mehr Energie für die individuell zu gestaltenden Bereiche zur Verfügung zu haben.

Praeview: Haben Sie durch das Projekt in bestimmten Punkten eine neue Sichtweise auf Ihr Unternehmen bekommen? Was war das?

Oliver Rüsche: Durch die gemeinsame Arbeit mit GI:VE fällt es uns leichter, einen Metablick auf unser Unternehmen einzunehmen, und gewisse Entwicklungen und Prozesse auch aus der Distanz zu betrachten und zu steuern. Wenn man sein Unternehmen analysiert und die Ergebnisse reflektiert und zusätzlich reflektiert bekommt, lassen sich leichter Schemen erkennen, die die Qualität unterstützen oder eher hemmen. Mir persönlich fällt zielorientiertes Handel an dieser Stelle sehr viel leichter. In der Vergangenheit wurden Lösungsansätze eher ad hoc in der Situation gesucht und auch gefunden.

Praeview: Würden Sie noch einmal an so einem Projekt teilnehmen?

Oliver Rüsche: Auf jeden Fall gerne!
Für uns ist die Zusammenarbeit mit GI:VE sehr fruchtbar und liefert für unseren Unternehmensalltag in vielen Bereichen wichtige Impulse und auch für das Aufspüren unserer zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten.

Praeview: Sie kennen den Ausspruch ,Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser‘. Wie steht es damit in Ihrem Netzwerk?

Oliver Rüsche: In unserem Netzwerk sind die Aufgabenbereiche gut voneinander abgegrenzt. Jeder Netzwerkpartner ist auf seinem Gebiet ein absoluter Spezialist und auch mit seinem jeweiligen Unternehmen sehr gut am Markt positioniert. Das gegenseitige Vertrauen in die fachlichen Leistungen der Partner ist sehr hoch und wird durch eine offene Kommunikation untereinander und klare Regeln bei der Auftragsbearbeitung gestützt.

Praeview: Wie kann ein gleichberechtigter Netzwerkpartner daran mitwirken, dass in Veränderungsprozessen des Verbunds Vertrauen entsteht bzw. erhalten bleibt?

Oliver Rüsche: Alle drei Unternehmen sind inhabergeführte Betriebe. Wir teilen die gleichen Grundwerte und -prinzipien, die ein Event zum Erfolg für den Kunden werden lassen. Der Kunde und das Endprodukt stehen für alle drei Partner im Mittelpunkt der Entscheidungen. Eine offene Kommunikation und klare Regeln erhalten das Vertrauen in die Zusammenarbeit.

Praeview: Gab es auch Probleme in der Zusammenarbeit mit dem Projekt? Wenn ja, welche? Wie wurden sie bewältigt?

Oliver Rüsche: Nein. Am Anfang hatten wir einige Terminschwierigkeiten, die jedoch in einem Netzwerk recht normal sein dürften.